Unternehmen
Newsletter
Abfall-ABC

 

Favoriten

 

Aktueller Hinweis Abfuhrtermine Feiertagsverschiebung Entsorgungsplaner Formulare und Satzungen Sperrmüll-Online Kontakt - Servicezeiten Entsorgungszentrum Wolfsburg Straßenreinigung

FAHRSICHERHEITSTRAINING DER WAS BEIM ADAC

Schleudernde Müllbrummis, schlingernde Kehrmaschinen, quietschende Reifen und schwitzende Kraftfahrer – an drei Samstagen im April und Juli 2008 übten alle Kraftfahrer und Reservefahrer der WAS (Wolfsburger Abfallwirtschaft und Straßenreinigung) den Ausnahmezustand.

Auf dem Dienstplan stand ein ganz besonderes Programm: Ein Fahrsicherheitstraining auf dem Gelände des ADAC Fahrsicherheitszentrums in Hannover.

Bilder vom Fahrsicherheitstraining der WAS beim ADAC

Tag für Tag sind sie auf Wolfsburgs Straßen unterwegs, die Fahrer der WAS. Viele lenken große dreiachsige Müllfahrzeuge oder ganze Containerzüge mit Anhänger. Andere zirkeln große oder kleine Kehrmaschinen durch Straßen aller Größenordnungen, bis hin zur Fußgängerzone. Wieder Andere fahren mit ihren Kollegen in Kleintransportern zu ihren Einsatzstellen im Rahmen der Straßenreinigung. Eines haben alle gemeinsam – sie fahren nicht auf Autobahnen oder fernen Landstraßen, sie sind mitten in unserer Stadt unterwegs und ihre Verkehrsmittel sind Arbeitsmaschinen, mit denen sie im allgemeinen und lebhaften Stadtverkehr ihren Job verrichten. Profis sind sie alle, besitzen alle notwendigen Führerscheine und kennen an ihren Fahrzeugen fast jede Schraube. Was können diese Männer noch lernen?

„Das Unkalkulierbare und Unvorhersehbare, oder anders ausgedrückt: Wie verhindere ich in einer brenzligen Situation einen Unfall?“ So fassen es Dr. Herbert Engel, der Vorstand der WAS und Olaf Heppner, Leiter des Technischen Betriebs zusammen. Und daher wollten sie ihren Mitarbeitern mit diesem Fahrsicherheitstraining ermöglichen, auf sicherem Terrain abseits des öffentlichen Verkehrsraumes zu testen, was draußen nicht möglich ist. Sie wollten die rund 33 Kraftfahrer der Müllabfuhr und 23 Fahrer der Straßenreinigung aber auch dafür sensibilisieren, wie lebensgefährlich Selbstüberschätzung und Routine im Ernstfall werden könnten.

In der Praxis sind die Fahrer bis zu 25.000 km pro Jahr mit ihren bis zu 40 Tonnen schweren Fahrzeugen im Einsatz. Trotz dieser Leistung fährt die WAS fast unfallfrei. Dank der guten Umsicht und Vorsicht der Fahrer passierten seit mehr als 7 Jahren keine Unfälle mit Personenschäden mehr, sondern nur solche mit Sachschäden bei Rangiertätigkeiten, z. B. bei Rückwärtsfahrten unter sehr engen Platzverhältnissen.

Um die Mitarbeiter möglichst wirklichkeitsnah und ihrem gewohnte Arbeitsumfeld entsprechend zu schulen, wurden nicht unbekannte Testfahrzeuge benutzt, sondern 25 WAS-eigene Fahrzeuge mit nach Hannover auf das Übungsgelände überführt. Die Fahrer hatten also ihre eigenen Fahrzeuge zur Verfügung.

Allein die Fahrt nach Hannover mit so vielen Großfahrzeugen ähnelte somit schon einem kleinen Manövereinsatz. Einen solchen Aufwand zur Schulung von Mitarbeitern hatten bisher nur große Reinigungsbetriebe, wie z. B. die Stadtreinigung Hamburg durchgeführt. „Wir sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass zur Erhöhung von Sicherheit und Erfahrung gerade in diesem Bereich der Aufwand allemal gerechtfertigt ist“, so die Botschaft von Dr. Herbert Engel und Olaf Heppner. Und das erkannten alle Teilnehmer auf dem Übungsgelände recht schnell. Denn die Fahrübungen stellten sich rasch als fast filmreife Action heraus.

Es wurde auf nasser und glatter Fahrbahn auf Kommando gebremst, bei hoher Geschwindigkeit Hindernissen ausgewichen, mit dreiachsigen schweren Müllfahrzeugen vom Typ Mercedes Axor oder einem MAN TGA Slalom gefahren und versucht, trotz eines simulierten Ausbrechens der Hinterachse das Fahrzeug in der Spur zu halten.

Zu den 25 eigenen Fahrzeugen gehörten neben den schweren Brummis auch Großkehrmaschinen vom Typ Johnston, Kleingeräteträger von Tremo und Volkswagen Transporter T 4.

Ein besonderer Nervenkitzel waren die „Wasserspiele“, wenn ferngesteuert auf der Strecke plötzlich vor den Fahrzeugen Wasserfontänen aus dem Boden schießen. Mit diesen wurden unvorhersehbare Situationen simuliert, wie sie in der Realität auftreten können, wenn ein Kind auf die Straße läuft oder ein unaufmerksamer Autofahrer schlagartig in die Quere kommt.

Um hier schnell reagieren zu können, wurden die Männer mit solchen simulierten Extremsituationen konfrontiert, mussten auf Anweisung eine Vollbremsung tätigen oder wurden per Funk dabei unterstützt was zu tun ist, wenn man das Fahrzeug dann auch noch auf glatter Fahrbahn nicht mehr unter Kontrolle hat.

„Ihr bleibt in der Spur und auf der Bremse, egal was passiert!“ ruft der ADAC-Experte Bernd Tiemann ins Funkgerät und schon kommt der LKW mit Tempo 60 angefahren. Plötzlich lässt Tiemann die Wasserfontäne hochschießen - das Signal zur Vollbremsung – und der WAS-Fahrer steht auf der Bremse. Das schwere Fahrzeug schafft es nicht mehr rechzeitig abzubremsen, ein Wasserschwall schlägt die Kabine hoch und prasselt auf die Scheiben. „Und Tschüß“, ruft Tiemann, „die Häuserwand wäre deine gewesen.“ Frontalaufprall. Im Alltag hätte dies den Fahrer in eine lebensbedrohliche Lage gebracht.

In einem ausgewogenen Mix aus Theorie und Praxis haben so die Teilnehmer auf 7 Strecken-Modulen trainiert, wobei nicht immer alle Manöver glimpflich ausgingen. Mitarbeiter, die teilweise schon über 30 Jahre für die WAS arbeiten, noch alte Fahrassistenzsysteme ohne ABS kennen und jahrelang damit umgehen konnten, mussten nun umdenken und der Technik ihres neuen Fahrzeugs eine Chance geben.

„Wir modernisieren schon seit einigen Jahren unseren Fuhrpark“ erläutert Olaf Heppner, „und auch im Bereich von schweren LKW oder Arbeitsmaschinen sind längst Sicherheitssysteme wie ABS, Servolenkung und Anderes Standard geworden.“ Doch diese Technik will beherrscht sein.

In der Theorie stand so vor allem die Vermittlung von Wissen im Bereich der Fahrphysik und Fahrzeugtechnik im Mittelpunkt. Vorausschauend, die Technik schonend und sinnvoll einsetzend und verschleißarm fahren. Diese Grundvoraussetzungen für einen niedrigen Kraftstoffverbrauch wurden von den ADAC-Experten ebenfalls mit auf den Weg gegeben.

Neben Theorie und Praxis wurde aber auch für das leibliche Wohl der Fahrer mit einer ausreichenden Kaffeeversorgung und einem umfangreichen Mittagsbuffet vom Party-Löwen Braunschweig gesorgt.

VNach dem Training gab es viele überraschte Gesichter, die Mitarbeiter waren erstaunt über ihre eigenen Fähigkeiten und die ihres Fahrzeugs. „Meine Erwartungen an das heutige Training wurden weit übertroffen und selbst solch ein alter Hase wie ich konnte noch etwas dazu lernen“, war ein häufig gehörtes Fazit nach einem erfolgreichen Trainingstag.

Und Spaß gemacht hat das Ganze auch. Denn wo können die Fahrer schon mal nach Herzenslust ihre Maschinen und sich selbst bis an ihre Grenzen führen. Grenzen, die jetzt alle kennen. Und Verhaltensweisen, auch wieder aus solchen Grenzbereichen mit heiler Haut herauszukommen. Auf dass dies nur eine Übung bleibt, denn die Fahrer der WAS möchten auch weiter sicher durch unsere Straßen in Wolfsburg fahren – unfallfrei, wie bisher.